Gefährdungsbeurteilungen – Hilfestellung für Unternehmer und Führungskräfte –

Gepostet am 18. Jun 2017 in Arbeitssicherheit

Gefährdungsbeurteilungen

Jeder Arbeitgeber hat nach dem Arbeitsschutzgesetz die Pflicht, in seinem Unternehmen die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, um mit der Arbeit verbundene Gesundheitsgefährdungen für seine Beschäftigten zu vermeiden.

Durch eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen hat der Arbeitgeber zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes erforderlich sind.

Mit der nachfolgenden Gliederung möchten wir die häufigsten Fragen zu diesem Thema beantworten.

Warum muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?

In § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) ist festgelegt, dass jeder Arbeitgeber in seinem Unternehmen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen muss.

Weitere Anforderungen zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen und zur Berücksichtigung besonderer Gefähr-dungen finden sich in den nachfolgenden Rechtverordnungen:

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)
  • Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV)
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
  • Biostoffverordnung (BioStoffV)
  • Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Zusätzlich sind weiterführende Vorschriften aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JarbSchG) und dem Mutter-schutzgesetz (MuSchG) zu beachten.

Wie muss eine Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden?

Der Arbeitgeber muss gemäß dem Arbeitsschutzgesetz und den zugehörigen Rechtsverordnungen über eine Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung verfügen.

Die Dokumentation muss mindestens folgende Inhalte enthalten:

  1. Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung
  2. Festgelegte Maßnahmen und Zuständigkeiten
  3. Ergebnis der Überprüfung der Maßnahmen

Welchen Nutzen hat der Unternehmer?

Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen sind oft mit hohem persönlichem Leid für die Betroffenen verbunden und verursachen hohe Kosten im Unternehmen z. B. durch Qualitätseinbußen in der Produktion oder durch die Störung von Arbeitsabläufen.

Durch eine Gefährdungsbeurteilung können im Unternehmen gleichermaßen Qualitätsverbesserungen und Kostensenkungen erzielt werden.

Dies wird erreicht durch:

  • Weniger Arbeitsunfälle
  • Weniger berufsbedingter Erkrankungen und Ausfallzeiten
  • Weniger Störzeiten im Arbeitsablauf
  • Geringere Reparaturkosten
  • Motivierte Mitarbeiter
  • Weniger fehlerhafte Produkte

Wann ist eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich?

Die Ermittlung und Beurteilung der Gefährdung wird als Erstbeurteilung an bestehenden Arbeitsplätzen durch-geführt und regelmäßig, insbesondere bei folgenden Anlässen überprüft:

  • Bei Änderungen von relevanten Vorschriften, Normen oder Richtlinien
  • Bei Neubau oder Umbau von Betriebsanlagen und Einrichtungen
  • Wenn die Nutzung der Einrichtungen oder der Betriebsanlagen wesentlich geändert wird
  • Vor der Anschaffung oder Umrüstung von Arbeitsmitteln (z. B. Werkzeugen oder Maschinen)
  • Bei Einführung von neuen Arbeitsstoffen (z. B. Gefahrstoffen oder biologischen Arbeitsstoffen)
  • Bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsorganisation oder der Mitarbeiterstruktur
  • Nach dem Auftreten von Arbeitsunfällen oder Beinahe Unfällen
  • Bei Verdacht auf eine Berufskrankheit oder eine arbeitsbedingte Krankheit

Wer muss die Gefährdungsbeurteilung durchführen?

Die Beurteilung einer Gefährdungsbeurteilung und das Festlegen geeigneter Maßnahmen muss der Unternehmer durchführen.

Dabei kann er sich durch eine geeignete Person unterstützen bzw. beraten lassen.

Diese Personen können beispielsweise sein:

  • Führungskräfte
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit
  • Betriebsärzte
  • Weitere Spezialisten im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz

Grundsätzlich bietet es sich an, ein Team aus Vertretern dieses Personenkreises und einem Mitarbeitervertreter (z. B. aus dem Betriebsrat) zu bilden.

Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Gefährdungsbeurteilung

liegt immer beim Unternehmer.

Wie ist die Vorgehensweise bei der Gefährdungsbeurteilung?

Zur systematischen Vorgehensweise ist es sinnvoll, sich an Arbeitsplätzen oder Arbeitsabläufen zu orientieren.

Es gibt also zwei praktikable Möglichkeiten der Gefährdungsbeurteilung:

Arbeitsplatzbezogene Gefährdungsbeurteilung

Bei stationären Arbeitsplätzen (z. B. Büro, Montageplatz, Maschine oder Anlage)
 

Ablauforientierte, tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung

Bei nichtstationären Arbeitsplätzen mit wechselnden Einsatzorten
(z. B. Güter- oder Personentransport, Paketzustellung, Abfallsammlung)

 

In 5 Schritten zur Gefährdungsbeurteilung:

Betriebsorganisation beschreiben

Beschreiben des Unternehmers und der Betriebsorganisation

Arbeitsplätze oder Arbeitsabläufe erfassen 

Erfassen aller Arbeitsplätze / Tätigkeiten bzw. Arbeitsabläufe, für die eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird.

Arbeitsplätze oder Arbeitsabläufe beschreiben

Beschreiben aller Arbeitsplätze / Tätigkeiten bzw. Arbeitsabläufe, für die eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird.

Gefährdung erkennen

Für jeden Arbeitsplatz / Tätigkeit werden Gefährdungsarten identifiziert und in der Gefährdungsübersicht angekreuzt.
Gefährdungen beurteilen und Maßnahmen festlegen

Für die identifizierten Gefährdungsarten werden die vorbereiteten Arbeitsblätter ausgefüllt, um geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen

 

Wie kann die Gefährdung beurteilt werden?

Zum Beurteilen der vorhandenen Gefährdungen für die Beschäftigten ist eine Abschätzung des Gesundheitsrisikos erforderlich.

Eine anerkannte Methode zum Ermitteln des Risikos ist das Bestimmen einer Risikokennzahl. Sie wird aus der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Gesundheitsschaden auftritt (Eintrittswahrscheinlichkeit) und der Schwere des Gesundheitsschadens (Schadensschwere) berechnet.

R = E x S

 Risikokennzahl (R)

Eintrittswahrscheinlichkeit (E)

Schadensschwere (S)

Die Risikokennzahl hilft bei der Entscheidung, ob Maßnahmen zur Beseitigung relevanter Gefährdungen erforderlich sind.

Eine hohe Risikokennzahl (R >3) erfordert Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Verringerung der Gefährdung.

Je höher das ermittelte Risiko ausfällt, desto dringlicher ist die Festlegung und Umsetzung von Maßnahmen.

Welche Maßnahmen muss ich festlegen?

Wenn in rechtlich verbindlichen Vorschriften (z. B. in Gesetzen, Rechtsverordnungen oder berufsgenossenschaftlichen Vorschriften) Maßnahmen zur Beseitigung oder Minimierung einer Gefährdung benannt werden, dann müssen diese eingehalten werden.

Existieren keine Vorschriften oder Empfehlungen, sind vom Unternehmer Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Minimierung von Gefährdungsbeurteilungen zu ermitteln. Dabei sollen technische Schutzmaßnahmen vor organisatorischen Schutzmaßnahmen und organisatorischen Schutzmaßnahmen vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen angewendet werden.

Zur Unterstützung sind auf Arbeitsblättern zur Gefährdungsbeurteilung exemplarische Maßnahmen zur Gefährdungsbeseitigung bzw. zur –minderung dargestellt. Diese ergeben allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit und müssen bei Bedarf ergänzt werden.

Wichtig:

Die getroffenen Maßnahmen sind in das Arbeitsblatt zur Gefährdungsbeurteilung einzutragen.

Nach Einführung der Maßnahmen sind diese auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.