Manipulation an Schutzeinrichtungen

Gepostet am 4. Aug 2016 in Arbeitssicherheit

Dass Mitarbeiter versuchen, Schutzeinrichtungen an Maschinen auszutricksen, ist kein neues Phänomen.

Die Berufsgenossenschaften warnen immer wieder vor den dadurch massiv erhöhten Unfallgefahren.

Doch die Unfallstatistiken belegen, dass dieses Risiko in vielen Betrieben immer noch unterschätzt wird.

Definition „Manipulation“:
-> Manipulieren bedeutet im Zusammenhang mit Schutzfunktionen von Maschinen und Anlagen nicht nur ein kleines Verändern durch Herumbasteln.

Als Manipulation gilt jede Aktion,

  • die eine Schutzeinrichtung unwirksam macht oder in ihrer Funktion beeinträchtigt.
  • die es erlaubt, eine Maschine ohne die vom Hersteller vorgesehenen und notwendigen Schutzeinrichtungen zu betreiben.
  • die eine Maschine in einer Weise einsetzt, die vom Konstrukteur so nicht vorgesehen ist (Bedienungsanleitung!).

Warum und auf welche Weise manipuliert wird

Als Motivation für das Manipulieren an Schutzeinrichtungen am häufigsten genannt werden:

vermeintlich leichteres oder zügigeres Arbeiten
Bequemlichkeit
Zeitdruck
schlechte Ergonomie.

Besonders häufig manipuliert wird an Pressen, Dreh- und Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren, z. B. in der Metallbearbeitung. Aber manipulierte Schutzeinrichtungen finden sich auch in vielen anderen Branchen.

Sie können konkret folgendermaßen aussehen:

  • Schalter, z. B. Positionsschalter an Schutztüren, werden festgeklemmt, festgeklebt oder so verkeilt, dass sie ständig einen bestimmten Zustand melden, z. B., dass eine Schutztür geschlossen sei, auch wenn sie offen steht.
  • Zweihandschalter werden mechanisch so miteinander verbunden, dass der Bediener mit einer Hand beide Signale gleichzeitig auslösen kann.
  • Lichtschranken werden ausgetrickst oder die damit verbundenen Sicherheitsschaltungen überbrückt.

Ein Problem sind auch die sogenannten Ersatzbetätiger „Marke Eigenbau“. Diese ermöglichen es, die Stellung einer Schutzeinrichtung falsch vorzugeben.

Wenn einem Mitarbeiter alles zu umständlich erscheint oder zu lange dauert, kommt mancher auf die Idee, einfach mit einem nachgemachten Betätigungsbügel dieses Schließen zu simulieren, obwohl die Klappe offen steht.

  • Verhindern Sie Manipulationsanreize!

Nach Informationen der Berufsgenossenschaften ist jede dritte Schutzeinrichtung an metallverarbeitenden Maschinen manipuliert.

Sie sollten daher alle Möglichkeiten nutzen, um den Anreiz zu vermindern, eine Sicherheitsfunktion auszutricksen oder zu umgehen.

Nutzen Sie die folgenden kritischen Fragen, um die Manipulationsgefährdungen zu minimieren:

  • Achten Sie beim Kauf einer Maschine darauf, dass die Schutzlösungen so konstruiert und angebracht sind, dass ein Manipulieren keinen Vorteil bringen würde?
  • Gibt es in Ihrem Betrieb klare Vorgaben, wie Vorgesetzte und Arbeitsschützer reagieren, wenn eine Manipulation festgestellt wird?
  • Werden Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit informiert, wenn Manipulationsversuche festgestellt werden?
  • Wurden die Maschinenbediener zu den Risiken durch manipulierte Schutzeinrichtungen und einem strikten Manipulationsverbot unterwiesen?
  • Können Sie sicherstellen, dass Manipulationen von Vorgesetzten nicht geduldet werden?
  • Wird in solchen Fällen die Situation mit Beteiligung der potenziellen Verursacher und des die Maschine bedienenden Personals untersucht?

Wichtig ist, nicht nur Verbote auszusprechen, sondern aufzuklären.

Dem Maschinenpersonal sollten Sinn und Funktionsweise von Schutzeinrichtungen klar sein.

Wo eine Schutzfunktion nur als umständlich, zeitraubend oder die Arbeit erschwerend empfunden wird, steigt der Anreiz, sie auszutricksen oder zu umgehen.

Achten Sie bei Betriebsbegehungen nicht nur auf das Funktionieren von Alarm- und Auslösevorrichtungen und den ordnungsgemäßen Zustand Not-Aus-Schaltern oder Sicherheitsventilen.

Haben Sie stets auch ein Auge auf Manipulationsversuche an Schutzfunktionen.

Eine fehlende Schutzklappe fällt auf, andere Manipulationen sind weniger einfach zu erkennen.

Hier kann es sinnvoll sein, auch mal mit einem Techniker des Herstellers oder einer Wartungsfirma den Maschinenpark abzugehen und zu schauen:

Neu: DGUV-Information zu Verriegelungseinrichtungen von Maschinen und Anlagen

Die DGUV-Information 203-079 „Auswahl und Anbringung von Verriegelungseinrichtungen“ wurde im Dezember 2015 aktualisiert.

Sie richtet sich neben den Konstrukteuren auch an das Wartungspersonal.

Es geht in diesem Dokument um Verriegelungseinrichtungen zur Stellungsüberwachung von beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen.

Die typische Situation an einer Maschine beim Einsatz solcher Verriegelungseinrichtungen ist wie folgt:

Maschinen führen gefährliche Aktionen aus, z. B. mit beweglichen Teilen, Messern, Bohrern oder durch Erzeugung hoher Drücke.

Die naheliegendste Schutzmaßnahme ist, die Maschine bzw. ihren Gefährdungsbereich einzuhausen, sodass niemals ein Beschäftigter mit einem Körperteil erfasst und verletzt werden kann.

Oft ist eine solche Einkapselung aber nicht möglich, weil für das Bedienen oder Beschicken der Maschine oder für Serviceaufgaben ein Zugang oder Eingriff des Maschinenbedieners möglich sein muss.

Daher werden Öffnungen vorgesehen und mit beweglichen Abdeckungen wie Türen oder Klappen versehen.

Die Aufgabe dieser sogenannten beweglichen trennenden Schutzeinrichtung ist nun, dafür zu sorgen, dass bei einer geöffneten Klappe alle gefährlichen Maschinenbewegungen abgeschaltet bzw. alle gefahrbringenden Maschinenfunktionen stillgesetzt werden.

Dazu ist es nötig, dass die Stellung der Klappe kontinuierlich überwacht wird.

Die Maschine darf erst wieder anlaufen, wenn die Position der Klappe als geschlossen gemeldet wird.

Wenn das Öffnen der trennenden Schutzeinrichtung so lange verhindert werden muss, bis kein Risiko mehr besteht, weil z. B. Maschinenbewegungen, Walzen, Spindeln etc. noch nachlaufen oder eine berührungsgefährliche Spannung abgeklungen ist, spricht man auch von einer Zuhaltung.

Die DGUV-Information stellt deren Aufbau und Wirkungsweise dar und gibt Hinweise zur Auswahl, zur Anbringung und Schaltungshinweise.

Fazit:
Maschinenhersteller, Maschinenbetreiber und Arbeitsschützer müssen gemeinsam ihren Teil dazu beitragen, Manipulationsanreize an Schutzeinrichtungen zu verringern, damit Mitarbeiter an Maschinenarbeitsplätzen sich und andere nicht in Gefahr bringen.

Eine unfallfreie Zeit wünscht
das ENVILEX-Team