FASI-NEWS (9) – Psychische Belastungen

Gepostet am 1. Okt 2015 in Allgemein

Seit Ende 2013 fordert das Arbeitsschutzgesetz explizit die Berücksichtigung der psychischen Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung.

Jährlich werden bundesweit über 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund einer psychischen Erkrankung registriert. (Quelle: BGN)

Psychisch bedingte Erwerbsminderungsrenten machen derzeit etwa 41 Prozent aller Rentenneuzugänge aus. (Quelle: BGN)

Nicht zuletzt deswegen stehen die psychischen Belastungen bei der Arbeit der Aufsichtspersonen der gesetzlichen Unfallversicherungen bei den Überprüfungen im Fokus

Pflicht des Arbeitgebers -Gefährdungsbeurteilung-

Die Gefährdungsbeurteilung ist eine arbeitsschutzgesetzliche Pflicht!

Danach muss der Arbeitgeber zur Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes eine Beurteilung der Gefährdungen in seinem Unternehmen vornehmen.

Wenn es erforderlich ist, müssen geeignete Maßnahmen entwickelt, umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Dazu gehört auch die Beurteilung der psychischen Belastung bei der Arbeit!

Die Anforderungen in der Arbeitswelt sind gestiegen. Deshalb wird immer mehr über „psychische Belastungen“ gesprochen. Der Begriff „psychische Belastungen“ wird zuerst neutral betrachtet. Die „Auswirkungen“ der „psychischen Belastungen“ können aber sowohl positiv als auch negativ empfunden werden. So empfinden es die einen als gestresst, andere fühlen sich gefordert.

Wichtig ist das Ausmaß der Anforderungen, mögliche Kombinationen und die Ressourcen.

Definition nach DIN EN ISO 10075-1 „Psychische Beanspruchung“

„Psychische Beanspruchung ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.“

Definition nach DIN EN ISO 10075-1 (1a) „Psychische Belastung“

„Psychische Belastung ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“

Nachfolgend finden Sie Faktoren, die Einfluss auf unser Befinden haben.

Faktoren die unsere Arbeit und unsere psychischen Anforderungen in der Arbeitswelt beeinflussen bzw. die zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz führen können

  1. Arbeitsumgebung
  2. Arbeit und Erholung
  3. Arbeitszeit
  4. Betriebsklima
  5. Burnout
  6. Emotionsarbeit
  7. Ermüdung
  8. Führung
  9. Gewalt
  10. Mobbing
  11. Monotonie
  12. Posttraumatische Belastungsstörung
  13. Restrukturierung
  14. Sättigung
  15. Sick Building
  16. Soziale Beziehungen
  17. Stress
  18. Sucht
  19. Viliganz
  20. Zufriedenheit/Motivation
  1. Arbeitsumgebung

Je nach Branche, Beruf und Arbeitsplatz beinhaltet die Arbeitsumgebung verschiedene physikalische, chemische und biologische Faktoren. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung müssen das Zusammenwirken sowie die Wechselwirkung zwischen diesen Umgebungsfaktoren berücksichtigt werden.

Zu den physikalischen Faktoren zählen unter anderem folgende Aspekte:

Mechanische Faktoren

Lärm

Beleuchtung

Klima

Farbe

Thermische Strahlung

Ionisierende Strahlung

Elektromagnetische Felder

Vibrationen

Zu den chemischen Faktoren zählt die Gesamtheit der Gefahrstoffe.

Zu den biologischen Faktoren zählen zum Beispiel bakterielle Kontaminierungen, auch z.B. verursacht durch biologische Arbeitsstoffe.

  1. Arbeit und Erholung

Mit Erholung ist also nicht immer das „Nichts-Tun“ gemeint.

Pausen und Erholungsphasen können durchaus auch aktiven Charakter haben

Im Idealfall kann ein momentanes Erholungsdefizit am nächsten Tag, spätestens am Wochenende, wieder ausgeglichen werden.

Problematisch wird es, wenn dieses Defizit anhält.

Die so entstehende „Erholschuld“ kann zu Ermüdung und Erschöpfung führen, die nicht mehr durch eine normale Erholungsphase am Abend oder Wochenende ausgeglichen werden kann und sich aufsummiert. Um unter derartigen Umständen die normale Arbeitsleistung zu erbringen, muss die persönliche Anstrengung enorm gesteigert werden, was das Erholungsdefizit weiter vergrößert, denn Ermüdung und Erschöpfung steigen exponentiell. So kommt es zu einer Abwärtsspirale, die Wohlbefinden und Gesundheit beeinträchtigt, wobei – im Extremfall – bleibende Funktionsminderungen nicht auszuschließen sind.

Erholung im Kontext von Arbeit bedeutet nicht nur Erholung von der Arbeit, sondern auch für die Arbeit und steht somit im Interesse aller: der Unternehmen, der Führungskräfte und natürlich der Beschäftigten selbst. Ziel muss es sein, durch arbeitsgestalterische Maßnahmen für ein Gleichgewicht zwischen Erholung und Arbeit zu sorgen. Dies reicht von einem kurzen Mittagsschlaf, dem sogenannten Powernapping, über eine ergonomische Arbeitsgestaltung, bis hin zu Anregungen, wie man schon mit einfachen Mitteln selbst etwas für einen erholsamen Schlaf tun kann. Konkrete Gestaltungsmöglichkeiten finden Sie im Bereich „Weitere Informationen“.

  1. Arbeitszeit

Zu den vier wichtigsten Problemfeldern im Zusammenhang mit Arbeitszeit gehören:

Lange Arbeitszeiten

Arbeit zu ungünstigen Zeiten

Nachtarbeit

Zeitliche Entgrenzung der Arbeit

  1. Betriebsklima

Unter Betriebsklima versteht man das subjektive Erleben eines Betriebes durch seine Beschäftigten.

Gutes Betriebsklima wird häufig als Voraussetzung oder zumindest als wichtige Rahmenbedingung betrachtet, um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Ein gutes Betriebsklima geht in der Regel aus einem wertschätzenden Umgang miteinander hervor. um einerseits soziale Unterstützungsmöglichkeiten zu fördern, aber gleichzeitig auch potentiellen sozialen Konflikten den Boden zu entziehen.

Zur Messung des Betriebsklimas liegen verschiedene Instrumente vor, die häufig als Mitarbeiterbefragung durchgeführt werden. Zum Beispiel Gruppendiskussionsverfahren oder Interviews. Bei der Beurteilung psychischer Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung wird ein schlechtes Betriebsklima als psychosoziale Belastung berücksichtigt.

  1. Burnout

Burnout ist ein krisenhafter Prozess, und nicht ein Zustand, der von einem Tag auf den anderen eintritt. Wichtig: Die Anfangsstadien haben wahrscheinlich die meisten Erwachsenen schon mindestens einmal erlebt.

Es hat sich eingebürgert, drei Kernsymptome zu unterscheiden: Emotionale Erschöpfung, Subjektiver Leistungsabfall, Dehumanisierung (das heißt, negative bis aggressive Einstellungen zu Mitmenschen, insbesondere Kunden, Mitarbeitern und Kollegen).

Es ist wichtig, früh die Reißleine zu ziehen und zu handeln: Frühwarnsymptome sind z.B.

  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsstörungen
  • Leistungsabfälle
  • Innere Unruhe
  • Sozialer Rückzug
  • Erhöhte Reizbarkeit,
  • Niedergeschlagenheit
  • Krankheitsanfälligkeit
  1. Emotionsarbeit

Emotionsarbeit bedeutet, dass sie ihre gezeigten Gefühle nach betrieblichen Vorgaben ausrichten müssen und nicht nach dem eigenen Befinden.

Ziel muss es sein, durch arbeitsgestalterische Maßnahmen für ein Gleichgewicht zwischen Erholung und Arbeit zu sorgen.

  1. Ermüdung

Eine andauernde hohe psychische Belastung bei der Arbeit kann bei Beschäftigten zu psychischer Ermüdung führen. Charakteristisch hierfür sind vorübergehende Beeinträchtigungen der physischen und psychischen  Leistungsfähigkeit. Die Störungen betreffen die Wahrnehmung, die Motorik, das Denken und die Konzentration. Das bedeutet unter anderem: Die betroffenen Beschäftigten machen häufiger und mehr Fehler bei der Arbeit. Das Verhältnis zwischen Anstrengung und erbrachter Leistung stimmt nicht mehr. Wer unter psychischer Ermüdung leidet, kann zudem körperlich müde wirken.

  1. Führung

Gesundheitsförderliches Führen bezeichnet ein persönliches Führungsverhalten, das im Sinne des Arbeits- und Gesundheitsschutzes die Gesundheit der Beschäftigten schützt, indem es Risikofaktoren am Arbeitsplatz reduziert und Ressourcen fördert.

Es umfasst zwei Ebenen:

  • Die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen
  • Die gesunde Selbstführung von Führungskräften

Führungskräfte, die Gesundheitsförderung als Führungsaufgabe begreifen, sehen den Zusammenhang zwischen Arbeit und Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie reduzieren Krankheiten und Fehlzeiten nicht auf ein persönliches Problem der Betroffenen, sondern haben auch die betrieblichen Rahmenbedingungen sowie das eigene Führungsverhalten im Blick.

  1. Gewalt

Die Internationale Arbeitsagentur (ILO) definiert Gewalt am Arbeitsplatz als

„Jede Handlung, Begebenheit oder von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person im Verlauf oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht, verletzt, verwundet wird.“

Gewalt drückt sich dabei in unterschiedlichen Formen aus.

Neben verbaler Gewalt (Beleidigung, Nötigung, Drohung) gibt es physische Gewalt (tätliche Angriffe, Übergriffe). Unterschieden werden dabei als Motiv mangelnder Respekt oder die Absicht Betroffene zu verletzen oder zu schädigen.

  1. Mobbing

Der Begriff Mobbing beschreibt das systematische Schikanieren, Belästigen, Beleidigen oder Ausgrenzen von einer oder mehreren Personen.

Mobbing kann am Arbeitsplatz unter Kolleginnen und Kollegen oder über verschiedene Hierarchieebenen (z.B. Vorgesetzte – Beschäftigte) auftreten, aber auch in anderen Organisationen, wie z.B. in der Schule. Die von Mobbing betroffene Person muss dabei unterlegen sein.

Nach dem Mobbingforscher Leymann liegt Mobbing dann vor, wenn der oder die Täter eine oder mehrere von 45 definierten Mobbinghandlungen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten mindestens einmal wöchentlich ausführen.

Typische Mobbinghandlungen sind z.B. den Betroffenen sinnlose Aufgaben zuzuweisen, nicht mit ihnen zu sprechen, körperliche Gewalt anzudrohen oder Gerüchte zu verbreiten.

Befragungen zufolge geht man in Deutschland von einer Mobbingquote von 2,7 % der Erwerbstätigen aus.

  1. Monotonie

Monotonie entsteht bei der Bearbeitung von lang andauernden, einförmigen und reizarmen Aufgaben.

Sie tritt insbesondere dann auf, wenn eine Tätigkeit hohe Aufmerksamkeit erfordert und weder eine Nebentätigkeit zulässt noch eine gedankliche Auseinandersetzung mit der Aufgabe ermöglicht.

  1. Posttraumatische Belastungsstörung

Bezeichnend für die Posttraumatische Belastungsstörung ist die verzögerte Reaktion auf das belastende Ereignis, die sich manchmal erst Wochen, Monate oder gar Jahre nach dem Trauma zeigt.

Typische Symptome sind

  • das Wiedererleben des Ereignisses in sich aufdrängende Erinnerungen, Bilder, Gedanken  („Flashback“)
  • Vermeidungssymptome gegenüber Orten, Personen, Dingen, die einen Bezug zu dem Ereignis haben; emotionale Taubheit, Teilnahms- und Freudlosigkeit
  • Übererregungssymptome: anhaltendes erhöhtes Erregungsniveau, erhöhte Reizbarkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung stellt eine schwere Beeinträchtigung der Lebensqualität dar.

  1. Restrukturierung

Alle Formen von Veränderungsprozessen in Organisationen, bei der bestehende Strukturen und Routinen in Frage gestellt oder verändert werden fallen unter den Begriff „Restrukturierung“.

Typische Formen betreffen zum Beispiel Standortverlagerungen, Abwanderungen, Ausgliederung von einzelnen Funktionseinheiten, Konkurs, Betriebsstilllegungen, Fusionen, Firmenübernahmen sowie interne Restrukturierungen.

Menschen in Veränderungsprozessen nehmen diese häufig als existenzbedrohende Krise wahr, bei der sowohl die momentanen Arbeitsbedingungen, sozialen Beziehungen als auch die finanzielle Existenz gefährdet sind und sich negativ auf die Gesundheit auswirken können.

  1. Sättigung

Psychische Sättigung kann bei sich häufig wiederholenden, gleichen oder ähnlichen Tätigkeiten entstehen. Symptomatisch sind Ärger, Leistungsreduktion und Müdigkeit. Beschäftigte, die unter psychischer Sättigung leiden, haben häufig ein Gefühl des „Auf der Stelle Tretens“ oder des „Nicht Weiterkommens“.

  1. Sick Building

Beim so genannten sick-building-syndrome (SBS) entwickeln Beschäftigte in neu gebauten, neu bezogenen oder renovierten Gebäuden zahlreiche unspezifische Symptome, für die es keine objektiven Ursachen gibt.

Vom sick-building-syndrome spricht man, wenn in einem Gebäude mindestens 20 Prozent der Beschäftigten Symptome ausbilden und diese beim Verlassen des Gebäudes verschwinden oder sich mindern. Gleichzeitig sind in Messungen keine deutlichen Expositionen gegenüber einzelnen Stoffen oder Faktoren nachweisbar.

Trotzdem reichen die Symptome von Irritationen der Augen sowie der Schleimhäute der Nase und des Rachens über Beklemmungsgefühle in der Brust, Hautreizungen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Antriebslosigkeit und Müdigkeit bis zu anhaltenden Kopfschmerzen.

  1. Soziale Beziehungen

An fast allen Arbeitsplätzen bestehen soziale Beziehungen zu anderen Menschen.

Seien es Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte, Kundinnen und Kunden oder Externe.

Die Kontakte können positiv sein und somit zur Arbeitszufriedenheit beitragen oder sich negativ auswirken.

  1. Stress

Mit Stressreaktion wird dabei  ein Zustand gesteigerter physischer und/oder psychischer Aktivierung, der aus dem Eindruck von Beschäftigten resultiert, Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu sein, die ihre Ziele und Werte bedrohen.

Entscheidend sind einerseits die objektiven Bedingungen der Situation und andererseits die subjektive Einschätzungen des Menschen sowie seine persönlichen Merkmale und Fertigkeiten.

  1. Sucht

Sucht bezeichnet die Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten.

Bei stoffgebundenen Süchten, wie der Alkohol-, Nikotin- oder Cannabissucht, wirkt eine abhängig machende Substanz auf das Gehirn ein.

Bei den stoffungebundenen Süchten, wie der Kauf- oder der Spielsucht, handelt es sich dagegen um zwanghafte Verhaltensweisen.

  1. Viliganz

Herabgesetzte Vigilanz oder auch „herabgesetzte Wachsamkeit“ tritt häufig bei abwechslungsarmen Beobachtungstätigkeiten auf, die viel Aufmerksamkeit erfordern.

Die Symptome ähneln jenen von Monotonie. Charakteristisch sind Schläfrigkeit, Müdigkeit, Leistungsabnahme und ‑schwankungen sowie eine verminderte Umstellungs- und Reaktionsfähigkeit.

Besonders betroffen sind Beschäftigte, die Überwachungs-, Kontroll- und Steuerungstätigkeiten durchführen müssen

  1. Zufriedenheit/Motivation

Zufriedenheit bei der Arbeit entsteht dann, wenn das, was sich Beschäftigte von ihrer Arbeit wünschen auch eintrifft.

Arbeitszufriedenheit kann unter diesen Umständen sogar die Arbeitsleistung positiv beeinflussen, für weniger Fluktuation und Fehlzeiten im Unternehmen sorgen und die psychische Gesundheit der Beschäftigten fördern.

Arbeitszufriedenheit ist relativ stabil und hat einen positiven Einfluss auf den Organisationserfolg.

Fazit:

Dieses Thema sollte auf die leichte Schulter genommen werden.

Die Zahlen „Krankheitstage“ und „Rentenneuzugänge“ sprechen ein klare Sprache.

Nur mit gesunden und zufriedenen Mitarbeitern kann ein Unternehmen planen und in seine Zukunft investieren.

Und um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es keiner großartigen Hexerei.

Oftmals ist es einfach nur der „gesunde Menschenverstand“, der notwendig ist.

Das gilt für Arbeitgeber UND für Arbeitnehmer!

Eine unfallfreie Zeit wünscht Ihnen

Ihr ENVILEX-FASI-Team

Quelle:
Infomaterialien der verschiedenen BG´s