Schadstoffe bei Brandereignissen

Gepostet am 21. Nov 2014 in Arbeitssicherheit

Kleine Ursachen wie ein vergessenes Bügeleisen können eine große Wirkung haben.

Bevor eine Brandstelle aufgeräumt und saniert werden kann, sollten Experten die Gefahren für Umwelt und Gesundheit einschätzen.

Bei Wohnungsbränden sind nicht nur die Flammen lebensbedrohend.

Sobald der Brandrauch abkühlt, beginnt die Schadstoffabscheidung. Die Gase kondensieren an kälteren Oberflächen und es bilden sich dort Tröpfchen. Ascherückstände, Rußpartikel und Schadstoffe „regnen ab“ und lagern sich auf Gebäude, Einrichtung und Lebensmitteln ab. Diese Brandrückstände stellen zusammen mit dem verunreinigten Löschwasser eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar und müssen fachgerecht beseitigt werden.

Wir möchten Ihnen einen Überblick über Schadstoffe bei Bränden im Haus- und Wohnbereich sowie über Schutzmaßnahmen, die bei Reinigungsarbeiten nötig sind, geben.

Fluorhaltige Schaumlöschmittel

Fluorhaltige Schaumlöschmittel enthalten poly- oder perfluorierte – also teilweise oder ganz fluorierte Chemikalien, die oberflächenaktiv sind und auch als Perfluortenside (PFT) bezeichnet werden. Fluorhaltige Löschschäume bilden auf der Oberfläche brennender Flüssigkeiten einen Wasserfilm und verhindern, dass die brennende Flüssigkeit mit dem Schaum ein Gemisch bildet.

In der Natur sind poly- und perfluorierte Chemikalien nicht abbaubar. Sie haben sich mittlerweile weltweit ausgebreitet, sind in Gewässern und Sedimenten zu finden und reichern sich in Nahrungsketten an. Einige dieser Verbindungen wurden bereits im menschlichen Blut nachgewiesen. 

Halogenhaltige Löschmittel

Halogenhaltige Löschmittel (abgekürzt Halon-Löschmittel) enthalten halogenierte Kohlenwasserstoffe, die Mitverursacher des Ozonlochs sind. Sie wurden bereits 1991 verboten. Halon-Löschmittel dürfen in Ausnahmefällen noch eingesetzt werden, wenn sie „zum Schutz von Leben und Gesundheit des Menschen zwingend erforderlich sind“. Spätestens ab dem 31.12.2040 dürfen Halone auch für kritische Zwecke nicht mehr verwendet werden, und damit ausgerüstete Feuerlöscher und Brandschutzanlagen müssen außer Betrieb genommen werden. 

Problematische Stoffe im Brandrauch

Bei jedem Brand entstehen Schadstoffe. Deren Zusammensetzung und Menge hängt von den Brandbedingungen und den am Brand beteiligten Materialien ab. In hoher Konzentration bilden sich Kohlendioxid (CO2) und je nach brennbarem Material gefährliche Brandgase wie Kohlenmonoxid (CO), Nitrose Gase (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Schwefelwasserstoff (H2S), Chlor (Cl2), Chlorwasserstoff (HCl bzw. Salzsäure), Bromwasserstoff (HBr), Cyanwasserstoff (HCN bzw. Blausäure), Ammoniak (NH3) und Phosgen (COCl2). Außerdem können zahlreiche weitere giftige und gesundheitsschädliche Folgeprodukte wie Dioxine/Furane auftreten, insbesondere wenn problematische Vorläuferstoffe vorhanden sind.

Schadstoff Vorläufer Enthalten in / Anmerkungen
Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F) PVC und andere organo- chlorhaltige Materialien, insbesondere bei Gegenwart von Kupfer oder anderen Schwermetallen
  1. B. Kabelisolierungen, Kunstleder, Fußbodenbeläge, Fensterrahmen
Chlorparaffine Flammschutzmittel und Weichmacher für PVC; Kühlschmiermittel in der Metallbearbeitung
Pentachlorphenol (PCP) und andere Chlorphenole und deren Salze Holzschutzmittel und Lederimprägnierung vor ca. 1985
Polychlorierte Biphenyle (PCB) bis in die 1980er Jahre als Isolierflüssigkeit in Kondensatoren, Trans- formatoren und Hydraulikflüssigkeiten bis ca. 1980 als Weichmacher bzw. Flammschutzmittel in dauerelastischen Dichtungsmassen, Farben und Beschichtungen
Polybromierte Dibenzo- dioxine und -furane (PBDD/F) Bromorganische Stoffe,
z. B. polybromierte Diphenylether, Hexabromcyclododecan Flammschutzmittel für Kunststoffe, vor allem für Leiterplatten und Gehäuse- teile von Elektrogeräten (z. B. für Fernseher und Computer), Polstermöbel und Textilien, Dämmmaterialien aus Polystyrol
Polyzyklische aromatische Kohlenwasser-stoffe (PAK) organisches Material, z. B. Holz, Fett, Wolle Sie entstehen beim Brand und lagern sich überwiegend an Rußteilchen an.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F), auch „Dioxine“ genannt, entstehen bei Bränden als Nebenprodukte, insbesondere wenn große Mengen chlorhaltigen Materials wie z. B. PVC, vor allem in Gegenwart von Kupfer oder anderen Schwermetallen, verbrennen.

Dioxine können zusammen mit Brandrauch und Flugasche auf benachbarten Flächen wie Wiesen und Hausgärten abgelagert werden. Das kann zu erhöhten Dioxingehalten auf Pflanzen und Bodenoberflächen führen.

Einstufung der Brandstelle in Gefahrenbereiche

Auch bei Bränden im Haus- und Wohnbereich können problematische Substanzen entstehen. Die Schadstoffe sind an den Ruß gebunden oder an kalten Oberflächen kondensiert (z. B. an Wänden und Stahlträgern).

Je nach Belastung mit brandbedingten Gefahrstoffen werden Brandstellen in unterschiedliche Gefahrenbereiche eingeteilt.

Eine Brandstelle kann auch in mehrere Gefahrenbereiche unterteilt werden, z. B. wenn sie unterschiedlich stark verschmutzt ist. Entscheidend für die Einteilung der Gefahrenbereiche ist die VdS-Richtlinie 2357, die Richtlinie zur Brandschadensanierung.

Solange die Brandstelle nicht in Gefahrenbereiche eingestuft wurde, muss der Schadensbereich entsprechend Gefahrenbereich 3 (GB 3) behandelt werden.

Definition der Gefahrenbereiche (GB) entsprechend der VdS-Richtlinie 2357

GB Beschreibung Sachverständiger Fachfirma
0 Kleine Brände mit auf den Brandbereich beschränkter Brandverschmutzung, z. B. Brand eines Papierkorbs, einer Kochstelle oder eines Kerzengestecksoder Brände mit größerer Ausdehnung aber minimaler Brandverschmutzung Nicht erforderlich. Nicht erforderlichDie Reinigungsarbeiten können von Laien mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln durchgeführt werden.
1 Brände, an denen nur haushaltsübliche Mengen an kunststoffhaltigen Materialien beteiligt waren und die deutlich sichtbare Brandverschmutzungen zeigen z. B. Küchen- oder Zimmerbrände Fallbezogen empfohlen, z. B. bei Bränden in Kindergärten, Altenheimen, Schulen, Krankenhäusern bzw. bei großflächiger Ver- schmutzung (mehr als ein Raum). Fallbezogen empfohlen (siehe Spalte Sachverständiger).Im nichtgewerblichen Bereich kann der Brandgeschädigte die Reinigungs-arbeiten selbst durchführen, wenn er einige Schutzmaßnahmen beachtet.
2 Brände mit größerer Ausdehnung und sehr starker Brandver-schmutzung, an denen größere Mengen kunststoffhaltiger Materialien, insbesondere chlor- oder bromorganische Stoffe wie PVC beteiligt waren. Typisch sind Schwelbrandsituationen. Dringend empfohlen Erforderlich Die Reinigungsarbeiten müssen von speziellen Sanierungsfirmen durchgeführt werden.
3 Brände, bei denen zusätzlich zu den brandbedingten Schadstoffen mit großen Mengen an Gefahr-stoffen oder biologischen Arbeits-stoffen zu rechnen ist. Insbesondere wenn mit einer Beteiligung von Asbest und künstlichen Mineralfasern (KFM) gerechnet werden muss. Erforderlich Erforderlich Die Reinigungsarbeiten müssen von speziellen Sanierungsfirmen unter Einsatz von Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.

 

Ob der Geschädigte die Aufräumarbeiten selbst durchführen darf oder eine fachkundige Firma damit beauftragt werden muss, ist vor allem davon abhängig, in welchen Gefahrenbereich die Brandstelle eingestuft wurde, wie groß der Brandschaden ist und welche Schadstoffe zu erwarten sind.

Laien sollten Aufräum- und Sanierungsarbeiten nur bei Brandstellen des Gefahrenbereichs 0 (GB 0) übernehmen, bei Gefahrenbereich 1 (GB 1) wird bereits empfohlen, einen Sachverständigen einzu- schalten.

Der Versicherer kann bei der Entscheidung helfen, ob ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger hinzugezogen werden sollte.

Fachfirmen müssen die Fachkunde nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 524) „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen“ nachweisen (gleichwertig zur Sachkunde nach BG-Regel 128.

Lassen Sie sich den Fachkundenachweis zeigen!

Schutzmaßnahmen

Wenn Privatpersonen die Aufräum- und Reinigungsarbeiten in den Gefahrenbereichen 0 und eventuell 1 (GB 0 und 1) selbst durchführen, ist es wichtig, dass sie einige Schutzmaßnahmen ergreifen:

Während der Reinigungsarbeiten sollte unbedingt Schutzkleidung getragen werden. Diese besteht aus einem Einweg-Schutzanzug mit Kapuze aus Papiervlies oder Kunststoff, einem Atemschutz für staubende Arbeiten (mindestens eine textile Halbmaske), einer Schutzbrille sowie Einweg-Schutz- handschuhen aus Textil oder Gummihandschuhen für nasse Arbeiten. Alle Teile dieser Schutzklei- dung sind in Fachgeschäften oder in Baumärkten erhältlich.

Saubere Bereiche müssen vor eingeschleppten Schadstoffen aus verschmutzten Bereichen geschützt werden.

Das Gefahrenpotenzial durch Rußpartikel kann reduziert werden, indem glatte Flächen und Gegenstände bei der Erstreinigung mit feuchten Einweg-Wischtüchern abgewischt werden, die hinterher entsorgt werden.

Schaumreste vor der Reinigung eintrocknen lassen und anschließend mit den anderen Brandrückständen entfernen.

ABC-Löschpulver bestehen hauptsächlich aus Monoammoniumphosphat und Ammoniumsulfat und enthalten Zusatzstoffe, die das Pulver wasserabweisend und damit lagerfähig machen.

Mit der Zeit verliert das Löschpulver seine wasserabweisende Eigenschaft. Dann bildet es mit (Luft-)- Feuchtigkeit ein leitfähiges Elektrolyt, das Korrosionsschäden verursacht. Deshalb wird empfohlen, Löschpulverreste gründlich zu entfernen. 

Entsorgung der Brandabfälle

Es ist empfehlenswert, die Brandabfälle während der Aufräumarbeiten soweit möglich getrennt zu halten, um sie anschließend auch getrennt entsorgen zu können.

Eine unfallfreie Zeit wünscht Ihnen

Ihr ENVILEX-Team